Flugverspätung – Entschädigung und Schadensersatz

Wenn sich ein Flug verspätet oder dieser gar ausfällt, hat man als Fluggast generell einen Anspruch auf eine Entschädigung. Bei europäischen Flügen tritt dieser Anspruch ab einer Verspätung von drei Stunden in Kraft. Jedoch gibt es auch Ausnahmen, bei denen nicht oder nur bedingt gezahlt werden muss. Wie man bei einer Flugverspätung oder bei einem Flugausfall vorgehen muss, das erfahren Sie hier.

Eine Flugreise wird oftmals dann gebucht, wenn man mit dem Auto oder der Bahn das gewünschte Ziel nur schwer erreichen kann. Man ist somit meist auf das Flugzeug angewiesen. Umso ärgerlicher ist es, wenn man am Flughafen steht und auf der Anzeigentafel lesen muss, dass sich der Flug entweder verspätet oder das dieser gar annulliert wurde. In solch einem Moment ist meist guter Rat sehr teuer. Ein Ausweichflug kann nur in seltenen Fällen angeboten werden. Noch dazu steht die Frage im Raum, wer die Kosten für solch einen Ausweichflug bezahlen soll. Die Fluggesellschaft oder der Fluggast selbst?



Entschädigung bei Flugverspätung

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Tritt eine solche Situation ein, ist es gut, wenn man erst einmal die Ruhe bewahrt und genau überlegt, welche Schritte nun nötig sind. Zuerst ist es empfehlenswert, sich an einen Mitarbeiter der Fluggesellschaft zu wenden und zu klären, wie es mit dem Flug weitergeht. Wie lange wird die Verspätung voraussichtlich dauern? Und falls der Flug annulliert wurde – warum?

Zudem sollte man sich die Flugverspätung oder die Flugannullierung unbedingt schriftlich bestätigen lassen. Dies ist für die Schadensersatzansprüche sehr wichtig. Nur wenn man diese Tatsache selbst beweisen kann, hat man auch Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung. Die Fluggesellschaften sind nämlich nicht erfreut, wenn sie Schadensersatz zahlen müssen. Sie werden dies demzufolge nicht freiwillig anbieten. Vielmehr müssen sich die Passagiere selbst darum kümmern. Deshalb ist es wichtig, dass man sich den Ausfall oder die Verspätung von einem Mitarbeiter der Fluggesellschaft bestätigen lässt.

Hinweis: Mitarbeiter der jeweiligen Airline findet man auf jedem Flughafen. Meist gibt es einen Informationsstand. Zudem trifft man sie im Check-In Bereich an.

Flugverspätung – Entschädigung, dann tritt sie ein

Wenn ein Flug Verspätung hat oder abgesagt werden muss, hat man als Fluggast einen Anspruch auf Entschädigung (Quelle: SD).

  • Liegt der Grund für die Absage oder die Verspätung bei der Fluggesellschaft, so beträgt die Entschädigung 250 bis 600 Euro pro Fluggast
  • Der Betrag orientiert sich dabei immer an den Flugkilometern, die zurückgelegt werden sollten.
  • Sind jedoch außergewöhnliche Umstände Schuld (Wetterchaos, Streik der Fluglotsen) an der Verspätung oder dem Ausfall, so haftet die Fluggesellschaft nicht. Dies kann zum Beispiel dann passieren, wenn Unwetter den Flug nicht ermöglichen. In solch einem Fall wäre es gut, wenn man eine entsprechende Zusatzversicherung besitzt, die dann die entstandenen Kosten übernehmen kann.



Wann ein Anspruch auf Flugverspätung Entschädigung besteht

Der Anspruch auf Entschädigung bei Flugverspätung ist recht klar festgelegt. Im genauen Wortlaut kann man diesen in den Fluggastrechten bzw. in der Fluggastrechteverordnung nachlesen.

FlugstreckeVerspätung von mindestensAusgleichsanspruch
bis 1.500 km2 Std. (Abflug) oder 3 Std. (Ankunft)250,- Euro pro Person
1.500 – 3.500 km3 Std. (Abflug oder Ankunft)400,- Euro pro Person
über 3.500 km4 Std. (Abflug) oder 3 Std. (Ankunft)600,- Euro pro Person
  1. So muss die Fluggesellschaft an einer Verspätung von zwei Stunden ihren Fluggästen eine kostenlose Verpflegung zur Verfügung stellen. Diese muss der Tageszeit entsprechend und so umfangreich sein, dass jeder seinen Hunger stillen kann.
  2. Zudem ist die Airline per Gesetz dazu verpflichtet, ihre Passagiere regelmäßig über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren. Es darf somit nicht passieren, dass man als Fluggast mehrere Stunden auf dem Flughafen festsitzt, ohne in Erfahrung bringen zu können, wann die Reise starten kann oder welche anderen Möglichkeiten der Fortbewegung angeboten werden können.
  3. Sollte der Flug komplett gestrichen wurden sein, so hat man Anspruch auf einen Ersatzflug. Leider können nicht alle Passagiere sofort in die nächste Maschine umsteigen, da die Kapazitäten nicht ausreichen würden. Deshalb wird die Fluggesellschaft entweder eine Staffelung oder Ausweichmöglichkeiten anbieten.
  4. Sollte es sich um einen innerdeutschen Flug handeln, kann es sein, dass man auf die Bahn oder einen Mietwagen umsteigen kann. Beide Optionen muss die Fluggesellschaft bereitstellen und auch bezahlen. Sollte ein Ersatzflug erst am nächsten Tag zur Verfügung stehen, so muss die Fluggesellschaft für eine Übernachtungsmöglichkeit sorgen. Auf dem Flughafen muss eigentlich keiner übernachten. Das passiert nur dann, wenn man seine Rechte nicht kennt und diese dadurch auch nicht einfordert.
  5. Entscheidet man sich nicht für den Ersatzflug, so muss eine finanzielle Entschädigung stattfinden. Die Airline steht somit immer auf der schlechten Seite und muss sich auf jeden Fall kümmern. Sollte man selbst kein Telefon haben, so muss auch dies zur Verfügung gestellt werden. Immerhin kann es sein, dass Am Zielflughafen jemand wartet, der sich um die Abholung gekümmert hat. Zudem könnten Termine am Zielort anliegen, die abgesagt werden müssen.
    Warten auf den Anschlussflug

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Urteil / Verordnung bei Flugverspätung Entschädigung

Da die Mitarbeiter der Fluggesellschaften in der Regel immer erst einmal abblocken, wenn es um den gefürchteten Schadensersatz geht, ist es umso wichtiger, dass man als Fluggast sich im Reiserecht ein wenig auskennt und das eine oder andere Urteil oder eine Verordnung diesbezüglich nennen kann.

So gibt es ein Urteil vom Europäischen Gerichtshof (EuGH C-581/10 und C-629/10 vom 23.10.2012) welches genau beschreibt, dass man als Fluggast bei einer Verspätung von mehr als drei Stunden einen rechtlichen Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung hat. Die Entschädigung wird dort Ausgleichsleistung genannt und kann bis zu 600 Euro betragen. Eine Befreiung für die Gesellschaften tritt nur dann ein, wenn der Grund für die Verspätung nicht von ihnen herbeigeführt und somit nicht beherrschbar war.

Zudem weist das Gericht darauf hin, dass es immer ratsam ist, einen Nachweis für die Verspätung oder den Ausfall zu haben. Hierfür kann eine geänderte Boardkarte, oder ein schriftlicher Vermerk ausreichen. Außerdem wird in der Rechtsprechung kein Unterschied zwischen einem Billigflug (mit Germanwings), einem Charterflug (z.B. mit Condor) oder einem Linienflug (z.B. mit Lufthansa) gemacht. Alle Fluggesellschaften müssen in gleichem Umfang haften. Das ist besonders für die Billiganbieter schwer, da sie solche Kosten in ihren Preisen nicht kalkuliert haben. Man kann daher von ausgehen, dass es dort besonders schwer wird, den Anspruch auf eine Entschädigung durchzusetzen. Doch mit den richtigen Mitteln und ein wenig Geduld wird auch dies gelingen. Spätestens auf dem gerichtlichen Weg.

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