Fluggastrechte – das sollten Sie wissen

FluggastrechteDas Flugzeug zählt zu den beliebtesten Transportmitteln überhaupt, um schnell weitere Strecken zurückzulegen. Leider bleiben Störungen im Luftverkehr nicht aus. Flugausfälle, Annullierungen oder Überbuchungen stellen die Nerven von Flugreisenden auf die Probe. Diese Umstände hat der Reisende nicht hinzunehmen und kann sein Recht gegenüber der Fluggesellschaft geltend machen. Dazu hat die Europäische Union eine Reihe von Vorschriften erlassen, die eine faire Behandlung von Flugreisenden sicherstellen.

Rechte bei Flugverspätung

Wenn der Flieger mit großer Verspätung auf die Startbahn rollt, stehen Ihnen Entschädigungszahlungen zu. Der Bundesgerichtshof (BGH) legte in einem Urteil vom 19.02.2010 fest, dass Reisende bei einer Flugverspätung ab drei Stunden das Recht auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro haben. Diese Regelung greift auch für den Fall, wenn Sie pünktlich am Check-In-Schalter erschienen sind oder der Flug ersatzlos gestrichen wird und Sie nicht befördert werden.

Diese Rechte können unter folgenden Bedingungen eingefordert werden:

  • der Flug von einem Flughafen innerhalb der EU startet
  • der Flug von einer europäischen Fluggesellschaft innerhalb der EU durchgeführt wird
  • dessen Flugziel sich innerhalb der EU befindet, aber der Abflughafen außerhalb der EU liegt

In jedem Fall stehen Ihnen bei einer Flugverspätung Betreuungsleistungen durch die Airline zu. Dazu zählen Mahlzeiten, Getränke und die Möglichkeit zum Telefonieren. Beträgt die Flugverspätung mehr als fünf Stunden steht Ihnen das Recht zu, den Flugpreis zurückzuverlangen.

Rechte bei Nichtbeförderung

Leider ist es an der Tagesordnung, dass Fluggesellschaften mehr Tickets verkaufen, als Plätze im Flieger vorhanden sind. Die Airlines gehen davon aus, dass nicht jeder Käufer eines Tickets seinen Flug auch wirklich antritt. Nicht selten kommt es vor, dass Ihnen am Check-In-Schalter gesagt wird, dass das Flugzeug leider schon ausgebucht ist und Sie nicht zu ihrem Reiseziel befördert werden. Viele Fluggäste sind nicht mit ihren Rechten bei Nichtbeförderung vertraut, weil Sie von den Fluggesellschaften nur schlecht über Ihre Entschädigungsansprüche in Kenntnis gesetzt werden.

Bei Nichtbeförderung haben Sie Anspruch auf die folgenden Ausgleichzahlungen. Bei einer Flugstrecke von bis zu 1500 km stehen dem Fluggast 250 Euro zu.  Bei Flügen innerhalb der EU haben Sie Anspruch auf 400 Euro. Bei über 3500 km mit außereuropäischen Flugziel winken dem Fluggast bis zu 600 Euro. Darüberhinaus können Sie einen Ersatzflug oder die Rückerstattung des Tickets verlangen.

Rechte bei Flugausfall

Die Fluggesellschaften sind dazu verpflichtet, die Passagiere über einem Flugausfall schnell in Kenntnis zu setzen. Ihre Pflicht ist es, in kurzer Zeit einen Ersatzflug zu organisieren. Wird erst am Flughafen bekannt, dass der Flug ausfällt, stehen den Reisenden Betreuungsleisten zu. Dazu zählen kostenlose Getränke bzw. Verpflegung. Während der Wartezeit stehen den Fluggästen zwei kostenlose Telefonate bzw. Faxe oder Mail zu.  Findet der Flug erst am nächsten Tag statt,  so übernimmt die Airline die Kosten für eine Hotelübernachtung. Des weiteren haben Sie das Recht auf eine Flugausfall-Entschädigung.

In den meisten Fällen ist ein Flugausfall durch das Wetter oder durch einen Streik bedingt. Leider fallen wetterbedingte Flugausfälle (z.B. Schneechaos) unter höhere Gewalt und somit besteht kein Recht auf Entschädigung. Wenn das Bodenpersonal oder die Fluglotsen streiken, zählt dieser Umstand auch zur höheren Gewalt und die Fluggesellschaften sind dabei nicht zur Zahlung einer Flugausfall-Entschädigung verpflichtet. Technische Defekte am Flieger entschuldigen die Luftfahrtunternehmen nicht und der Reisende wird meistens die Zahlung einer Flugausfallentschädigt verwehrt. In den meisten Fällen bieten die Airlines dem Geschädigten einen viel zu geringen Ausgleichsbetrag oder einen Fluggutschein an.

Rechte bei Gepäckverlust/-beschädigung

Pro Jahr gehen etwa 95 Millionen Gepäckstücke von Flugreisenden verloren. Die meisten Fehler passieren bei Zwischenlandungen, wobei die Gepäckstücke auf falsche Förderbänder und Gepackwagen verladen werden. Geht nun ein Gepäckstück verloren, so melden Sie sich bitte umgehend beim Gepäckschalter (das Schild „Lost and Found“ suchen) und bei Ihrer Fluggesellschaft. Hier wird auf entsprechenden Formularen die Schadenmeldung aufgegeben.

Wenn ein Koffer nicht mehr auffindbar ist oder beschädigt wieder auftaucht, dann stehen Ihnen nach dem Montrealer Übereinkommen (MÜ) ca. 1330 Euro Entschädigung zu, die von der Airlines nur pro Passagier (nicht pro Gepäckstück!) zu zahlen ist. Die Fluggesellschaften verlangen einen Nachweis über den Wert des Verlustgepäcks. Es ist hilfreich, wenn Sie vor Ihrer Reise den Inhalt des Koffers genau auflisten und den Wert mit Quittungen und Kaufbelegen im Verlustfall belegen können. Nicht zu vergessen sind die Fristen: Binnen 7 Tagen ist bei Gepäckbeschädigung eine Meldung einzureichen, bei Gepäckverspätung haben Sie 21 Tage Zeit, eine Schadensmeldung bei der Airline geltend zu machen

Rechte bei verpassten Anschlussflug

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Foto: © jarma – Fotolia.com

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